Kritiken

Doppelte Dosis

 

Windsheimer Zeitung vom 13.10.2010

 

Zwei unglaublich freche Breiwaffeln   „Süß &Mix“ alias Birgit Süß und Heike Mix glänzten bei ihrem Gastspiel im „Cabaret im Brater“

BAD WINDSHEIM – Sie sind unnachahmlich frech, sie können singen, sie können tanzen – und sie machen Comedy von der Sorte, die man den privaten Sendern nicht wünschen möchte, denn dann wäre man am Samstagabend ja nicht in das „Cabaret im Brater“ gekommen, um sich von „Süß + Mix“, dem frechen „Weiberduo“, die flottesten Sprüche um die Ohren knallen zu lassen.  
Heike Mix und Birgit Süß glänzten vor allem mit einer vollkommen unbekümmerten politischen Inkorrektheit. Und feinsinnige Schöngeister sollten auch lieber weghören, denn anstelle des herkömmlichen Sprachwerkzeuges besitzen die beiden das, was man im Nürnberger Straßenslang eine „Breiwaffel“ nennt. Sie sind sehr verwandlungsfähige Schauspielerinnen und Sängerinnen.  
Es ist kein politisches Kabarett im eigentlichen Sinne, was die beiden auf der Bühne veranstalten. Dass sie aber bei ihren Auftritten den Hühneraugen und den Sehschwächen in der öffentlichen Diskussion noch einen deftigen Hieb mit dem Sprachhammer verpassen, ist wohl pure Absicht. Schon in den ersten Sketchen ist dies festzustellen, wenn Engelchen Heike (Wer zum Geier hat sich übrigens ausgedacht, dass Engel immer im weißen Nachthemd rumlaufen müssen?) und Teufelchen Birgit in geradezu höllischköstlichem Outfit – so mit niedlichen Hörnchen und halterlosen Nylonstrümpfen – herumhüpfen. Wenn man da nicht schon Heiliger wäre, möchte man zum Sünder werden. Engelchen Heike „gehen die Gutmenschen auf den Keks. Aber ein richtiges Arschloch möchte ich schon reinlassen in den Himmel'. Aber „die Hölle ist auch nicht mehr das, was sie einmal war. Schuld daran ist die sexuelle Revolution und die Merkel hat auch schon gesagt, dass die Hemmschwelle immer niedriger wird“.  
Recht haben sie, die beiden, denn was hier trefflich auf das Korn genommen wird, ist nicht das Gute an sich, sondern dessen erstarrte Pose. Eine Antizipation, die sich in Birgit Süß’ Song vom esoterischökologischen Urlaub in der Schweiz fortsetzt. Aber beim Kinderwagensketch wird die Sache schon ernster, wobei der „Beißring von Chanel“, der Oberschichten Göre das harmloseste ist. Bei den Sprüchen von Heike Mix, die den HartzIVBuben, der sich einen Kauknochen mit Rex teilt, mimt, bekommt man nämlich eine Gänsehaut. „Die haben beim Vaterschaftstest festgestellt, dass der Babba nicht der Babba ist. Und das Schlimmste, die Mamma ist auch nicht die Mamma!“ Da wird dann ein gesellschaftlicher Nerv bloßgelegt, der – trotz Sarrazin und Prekariatsdebatte – am nächsten Morgen auch noch weiterzuckt, wenn man sich beim reichhaltigen Frühstück die ersten Berichte in der Tagespresse zum Thema reinzieht.  
Dann schon lieber ins Altersheim, wo sich zwei scheinbar schrullige Omas am Laptop vergnügen. „Das steht doch alles in meinem Profil: Ich bin 18 und mein Hobby ist Schlammcatchen!“ Wow! Und wenn die beiden Tanten auch noch ihre virtuelle kriminelle Energie entdecken, dann geht’s ab in die schöne neue Computerwelt. Der Höhepunkt kommt dann allerdings, wenn Heike Mix und Birgit Süß in den süßesten Dirndln nach Günther Beckstein mit gekonnten „Gstanzln“ und Schuhplattlern so ziemlich alles verhackstücken, was sich in bajuwarischen Landen seit der letzten Landtagswahl an Mist angesammelt hat.  
Wenn sie am Schluss die Frankenfahne hochhalten, so ehrt sie das. Denn beide haben ihre Heimat in der Würzburger Künstlerszene und beide können ihre Herkunft von den „Brettern, die die Welt bedeuten“ nicht verleugnen, sie haben Talent und – vor allem – die Fähigkeit, dieses Talent für die eigene Kreativität umzusetzen. Dass es dem Publikum gefallen hat, beweist der Beifall. Und für einen Künstler kommt es darauf ja wohl an.

 

 

Mainpost 16.06.2010

 

Umjubelter Auftritt von „ Süß & Mix“

Zum Start der Open-Air Saison holten sich Claudia und Joachim König Gleich zwei kabarettistische Bekanntheiten aus der hiesigen Kulturszene:
Heike Mix und Birgit Süß alias „ Süß & Mix“.....

Ihr Programm bietet nahezu für jeden nivauorientierten Humorgeschmack etwas. In Seitenhieben auf die Tagespolitik werden Satirefreunde bedient, der Großteil der Nummern setzt sich jedoch eher mit dem Alltagwahnsinn auseinander:
Ob mit den heutigen Kommunikationsformen im Internet leicht überforderte Großmütter oder hart an der Schmerzgrenze operierende Fernsehshows, ein breites Spektrum einschliesslich der derzeit alles dominierenden Fußballweltmeisterschaft kriegt sein Fett weg.
Ein großer Brüller war der Auftritt, in dem Heike und Birgit zwei Säuglinge mimen, die aus verschiedenen Schichten stammen und über ihre Erzeuger herziehen – bis sie plötzlich Ähnlichkeiten mit dem jeweils anderen Erzeuger feststellen.
So abwechslungsreich erlebt man Kabarett eher selten

 

Mainpost 24.01.08

 

„Der Titel „Doppelte Dosis“ gibt dem Publikum Raum für Interpretationen. Und den Künstlerinnen die Möglichkeit, einiges rein zu packen. Das haben Heike Mix und Birgit Süß getan.

Zu Beginn entführen sie ihre Zuschauer in Himmel und Hölle. Als Engelchen kommt Heike Mix auf die Bühne, verkündet, dass für Raucher jetzt auch über den Wolken keinen Platz mehr ist und dass „diese Gutmenschen“ im Himmel ihr auf den Keks gehen. Deshalb sucht sie auch „so ein richtiges Arschloch“, einen, „jemand, der so was richtig Gemeines gemacht hat“. So einen würde sie schon rein lassen...“
„...servieren die Künstlerinnen nun eine „Super-Samstag-Abend-Motto-Rating-Show“, in der „Die zehn Unbekanntesten Diktatoren“ gekürt werden. Heike Mix glänzt hier als strenge Hiltrud Hasenhügel und zeigt ihr ganzes Schauspiel-Talent..“

„...Einer der schönsten Programmpunkte ist der Besuch beim Tierarzt. Köstlich, wie Birgit Süß mit Hund Manfred auf den Doktor wartet über die Krankheitsgeschichte der Töle ins Philosophieren gerät.“

„...Ebenfalls ein Highlight: Horst und Walburga im Kinderwagen. Der Bub ein Prekariats-Sproß, der mit der Mama Hartz-IV-Empfänger-Fernsehen guckt und sich den „Kauknochen mit dem Rex“ teilt. Das Mädel eine in „Baby-Yoga“ geübte Schicki-Micki-Göre mit „Beißring von Chanel““

„...Sehr sehenswert wert ist die Zugabe im „Anspruchskino“.“

„...„Doppelte Dosis“ (Regie Florian Hoffmann)... Ein „süßer Mix“, der beim Premieren-Publikum sehr gut ankam...

...Die Januar-Vorstellungen sind ausverkauft....“